Plädoyer für moderne Kunst

Viele behaupten ja, dass uns die Sprache das zweite sapiens hinter dem homo verschaffte. Ich sehe das nicht so. Verständigung allein kann uns wohl nicht über den Affen und das Schwein, angeblich genetisch die nächsten Verwandten, stellen. Es ist die Kunst, die uns zu einzigartigen Geschöpfen macht.

Doch was ist das, Kunst und Kultur? Häufig werden diese Begriffe als Vorwand für heftigste Gefechte missbraucht. Schließlich lässt sich über die wahre Kunst –gerade als Jurist - trefflich diskutieren, obwohl wir doch wissen, dass diese Frage keine Antwort kennt. Also lass ich das allgemeine Geschwätz und spreche über mich. Haben Sie auch manchmal das Gefühl vor etwas unwahrnehmbar Schönen zu stehen, wenn Bach’sche Lautwände Ihr Ohr hochkraxeln? Und was ist mit dem Kribbeln, das ein mehrere hundert Jahre altes Bild verursacht, bei dem Gedanken, dass dieses Meisterwerk einmal von einem Sterblichen für die Unsterblichkeit geschaffen wurde. Was ist mit dem Einen überkommenden Schmunzeln, das ein Bild von Magritte auslöst. Wer von uns, ach so, Gebildeten neigte sein Haupt nicht einmal vor einem Dichter, der mit einer kleinen Erzählung Menschen in den Freitod führte, und als Lebenswerk die Figur des ewig nach Offenbarung Suchenden tief in unsere Kultur einzementierte. Oder was ist mit Fassbinder, ist es nicht aufregend, was dieser Mensch in der kurzen ihm verbliebenen Zeit schaffte? Und wenn wir bei einem kurzen Leben sind. Kennen Sie Charlie Parker? Er ist für den Jazz etwa genauso bedeutend, wie die Beatles und Elvis für den Rest der Musik der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Und nächstes Jahr ist Mozartjahr. Auch das kann Mozarts Musik nicht zerstören.

Als „man“ in den 70iger Jahren eine Sonde in das Weltall schoss, hatte diese – für den Fall, dass sie vielleicht von exterrestrischen Lebewesen „abgefangen“ wird, verschiedene spärliche Informationen über die Erde und die Menschheit an Bord. Beim Öffnen dieser Kapsel soll der „Donauwalzer“ abgespielt werden. Dieser „man“ geht also auch in einer technisierten Welt, wie unserer, davon aus, dass es auch von, uns technisch weit überlegenen, Außerirdischen als bedeutende Botschaft betrachtet werden könnte, dass diese Menschen sich durch und mit ihrer Kunst vorstellen. Und ich will jetzt gar nicht die Frage stellen, wo die Menschheit denn wäre, ohne Kunst. Für mich gilt: Mein Leben und meine von mir studierte Juristerei wäre ohne Kunst und Kultur lang nicht so bereichert und schön. Diese Antwort reicht mir völlig.

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